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Veröffentlicht am 1. Juli 2025

Testung

Die Covid-19-Pandemie ist ein Meilenstein bezüglich der Rolle der Testung in der Pandemiebewältigung. Tests leisteten einen in diesem Ausmass bisher nicht gekannten Beitrag zur Infektionskontrolle. Die Erfahrungen sind wegweisend für den künftigen Einsatz der Testung in der Pandemiebewältigung.

Die Testung und Diagnostik von Krankheitserregern ist ein etabliertes Element der Infektionskontrolle. Erfahrungen aus der Covid-19-Pandemie oder mit dem HI-Virus haben gezeigt, dass breit angelegte, evidenzbasierte Teststrategien massgeblich dazu beitragen können, Infektionsketten zu unterbrechen, die individuelle gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen und weitreichende Einschränkungen des sozialen und wirtschaftlichen Lebens, wie etwa Schulschliessungen, zu minimieren.

Methodische Entwicklungen

Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Labordiagnostik und der Testmethoden erlaubt es, flexibel auf unterschiedliche epidemiologische Herausforderungen zu reagieren. Während der Covid-19-Pandemie ermöglichten folgende Fortschritte die bedeutende Rolle der Testung:

  • Ausbau der Kapazitäten zur PCR-Testung: Die rasch ausgebauten Laborkapazitäten ermöglichten es, laufend eine grosse Anzahl Personen in der Bevölkerung zuverlässig zu diagnostizieren und diese bei positivem Testresultat unter Quarantäne zu stellen oder bei negativem Testresultat am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen.
  • Pooling von Proben: Das Pooling von Proben ergibt eine Multiplizierung der Testkapazitäten. Dies erlaubte in der Covid-19-Pandemie die regelmässige freiwillige Testung in grösseren Gemeinschaften von Personen, insbesondere in Spitälern und sozialmedizinischen Institutionen, Schulen oder Unternehmen. Indem asymptomatisch Infizierte ermittelt wurden und sich isolierten, bevor sie Symptome entwickelten, konnte ihr Betrieb unter ausreichend sicheren Bedingungen aufrechterhalten werden.
  • Entwicklung von Antigen-Schnelltests: Antigen-Schnelltests ermöglichten eine kostengünstige Testung, in Testzentren, Apotheken oder durch die getesteten Personen selber, mit unmittelbarem Testresultat. Sie waren damit Voraussetzung für die Testung symptomloser Personen, um ihnen bei negativem Testresultat den Zugang beispielsweise zu vulnerablen Personen in Spitälern oder sozialmedizinischen Institutionen zu ermöglichen oder grosse Veranstaltungen unter vermindertem Ansteckungsrisiko durchzuführen.
  • Weiterentwicklung und Ausbau der Kapazitäten von Methoden zur genomischen Sequenzierung: Das breite, standardmässige Screening positiver Testproben mittels genomischer Sequenzierung auf neue Virusvarianten erlaubte es, auf besorgniserregende Varianten frühzeitig mit Massnahmen zur Abschwächung der Ausbreitung zu reagieren.

Strategie

Der Bundesrat legt gemäss Artikel 4 des Epidemiengesetzes (EpG, SR 818.101) unter Einbezug der Kantone die Ziele und Strategien der Erkennung, Überwachung, Verhütung und Bekämpfung übertragbarer Krankheiten fest. Auf dieser Basis kann er eine Teststrategie festlegen. Die Teststrategie zeigt die Grundlagen auf, legt die Ziele der Testung fest und beschreibt die Massnahmen zur Zielerreichung.

Die Teststrategie ist evidenzbasiert. Da sich die epidemiologischen Kriterien in einer Pandemie rasch ändern können, ist die Ausgestaltung der Massnahmen laufend zu überprüfen und anzupassen. Hierzu dienten in der Covid-19-Pandemie bezüglich Testung die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) regelmässig aktualisierten Beprobungskriterien. Sie unterstützten die Leistungserbringer bei ihren Entscheidungen, welche Tests unter welchen Voraussetzungen eingesetzt werden. Dabei ist es entscheidend, dass die Teststrategie und die Testmethoden unter Berücksichtigung von Sensitivität, Spezifität, Verfügbarkeit und Schnelligkeit ständig weiterentwickelt, implementiert und optimiert werden, um flexibel und effizient auf zukünftige Herausforderungen in der Infektionskontrolle reagieren zu können.

Ziele

Die Testung kann dazu beitragen, folgende Ziele zu erreichen:

  • Unterbrechung von Infektionsketten: Indem infizierte Personen frühzeitig identifiziert und isoliert werden, trägt die Testung dazu bei, die Übertragung des Erregers einzudämmen oder abzuschwächen.
  • Schutz vulnerabler Gruppen: Personen, die engen Kontakt zu vulnerablen Personen haben, beispielsweise als Angehörige oder Mitarbeitende im Gesundheitswesen oder in sozialmedizinischen Institutionen, testen sich gezielt oder regelmässig. Sie reduzieren damit das Risiko, vulnerable Personen zu infizieren.
  • Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung: Indem Infektionsketten unterbrochen und vulnerable Personen geschützt werden, wird die Anzahl gleichzeitig schwer erkrankter Personen reduziert. Dadurch lassen sich Überlastungsspitzen des Gesundheitswesens verhindern oder reduzieren.
  • Ermöglichung gesellschaftlicher Teilhabe: Phasenweise kann es in einer Pandemie sinnvoll sein, ein negatives Testresultat als Voraussetzung zu definieren, um den Zugang zu Veranstaltungen und Einrichtungen zu ermöglichen. Das negative Testresultat reduziert die Übertragungswahrscheinlichkeit an diesen Orten.
  • Minimierung weitreichender Massnahmen: Durch eine frühzeitige Erkennung und Unterbrechung von Infektionsketten kann der Einsatz weitreichender nicht-pharmazeutischer Massnahmen, z. B. Schliessungen, reduziert werden.

Massnahmen

Die kantonalen Behörden sind für die Umsetzung der Teststrategie zuständig. Die Kantone koordinieren ihre Tätigkeiten und informieren das Bundesamt für Gesundheit (BAG) über die Ergebnisse. Das BAG gewährt fachliche Unterstützung und kann weitere Abklärungen durchführen.

In Abhängigkeit von den epidemiologischen Eigenschaften des Erregers können folgende Massnahmen einen unmittelbaren Beitrag zur Erreichung der Ziele leisten:

  • Symptom- und fallorientierte Testung: Testung von symptomatischen Personen und ihren Kontaktpersonen im Rahmen des Fall- und Kontaktmanagements sowie des Ausbruchsmanagements. Diese Testung entfaltet ihre Wirkung primär, wenn eine Strategie der Eindämmung verfolgt wird. Bei respiratorischen Erregern ist dies vor allem in der initialen Phase einer Pandemie der Fall.
  • Individuelle Testung symptomfreier Personen: Diese Form der Testung trägt zum Schutz anderer Personen bei, indem das negative Testresultat Voraussetzung für den Besuch von vulnerablen Personen (beispielsweise in Alters- und Pflegeheimen) oder von Veranstaltungen mit einer grösseren Anzahl Personen ist.
  • Repetitive Testung von Gruppen: Die regelmässige, freiwillige Testung – in der Regel mit gepoolten PCR-Tests – kann im Umfeld besonders gefährdeter Personen (z. B. beim Personal von Spitälern und sozialmedizinischen Institutionen) sowie zur Prävention und Früherkennung von Ausbrüchen (z. B. in Schulen und Betrieben) eingesetzt werden. Dabei hängt die Eignung und Wirksamkeit der repetitiven Testung massgeblich vom spezifischen Umfeld und der Testfrequenz ab.

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