Ausbruchsmanagement
Ausbrüche spielen eine bedeutende Rolle bei der Ausbreitung von Krankheitserregern. Daher ist ihre frühzeitige Erkennung für die Umsetzung von Massnahmen zur Unterbrechung der Übertragungsketten entscheidend.
Ein Ausbruch ist das plötzliche, gehäufte Auftreten von Infektionsfällen, die das zu erwartende Mass innerhalb eines bestimmten Zeitraums, an einem bestimmten Ort und in einer bestimmten Personengruppe überschreiten und bei denen eine gemeinsame Infektionsquelle oder ein epidemiologischer Zusammenhang wahrscheinlich oder bestätigt ist. Ausbrüche können insbesondere in der initialen Phase einer Pandemie eine bedeutende Rolle bei der Ausbreitung des Erregers spielen.
Ziele
Das Management von Ausbrüchen verfolgt mehrere Ziele:
- Frühzeitige Erkennung und Kontrolle von Ausbrüchen, um eine rasche Ausbreitung des Erregers zu verhindern.
- Identifizierung von Personen, die bei einem Anlass mit einer überdurchschnittlich hohen Anzahl von Übertragungen (Superspreading-Event) eine grosse Zahl weiterer Personen infiziert haben (Backward Tracing).
- Identifikation von Personen, die sich im Rahmen eines Ausbruchs angesteckt haben (Forward Tracing).
- Ermittlung von Anlässen mit hohem Übertragungspotenzial sowie Identifizierung möglicher Lücken in Schutzkonzepten oder deren Umsetzung, um das Risiko künftiger Ausbrüche zu minimieren.
Superspreading-Events und Backward Tracing
Einzelne Ausbrüche können durch sogenannte Superspreading-Events gekennzeichnet sein. Also Situationen, in denen eine infizierte Person oder wenige infizierte Personen eine überdurchschnittlich hohe Anzahl weiterer Personen anstecken (siehe Epidemiologische Grundlagen). Solche Ereignisse sind insbesondere bei niedriger Bevölkerungsimmunität von Bedeutung. Dabei spielen sowohl biologische Faktoren des Erregers und des Wirts als auch die Rahmenbedingungen des Anlasses eine entscheidende Rolle.
Um Superspreading-Events zu identifizieren, sollte sich das Contact Tracing (siehe Fall- und Kontaktmanagement) nicht nur auf die Ermittlung von Personen konzentrieren, die nach der Infektion einer Person mit dieser in Kontakt standen (Forward Tracing), sondern auch auf die Rückverfolgung des möglichen Infektionsorts oder der Infektionsquelle. Diese rückwärtige Kontaktverfolgung wird als Backward Tracing bezeichnet.
Superspreading-Events sind insbesondere bei viralen Atemwegserregern wie SARS-CoV, MERS-CoV und SARS-CoV-2 gut dokumentiert. Sie treten häufig in Umgebungen mit hoher Personendichte, schlechter Belüftung und engem körperlichem Kontakt auf. Auch bestimmte Aktivitäten wie Singen, Schreien oder intensive körperliche Anstrengung mit beschleunigter Atmung können das Risiko für solche Ereignisse zusätzlich erhöhen.
Ein besonderes Augenmerk auf Orte und Anlässe mit diesen Merkmalen kann bei epidemiologischen Untersuchungen hilfreich sein. Beispiele für Settings mit hohem Superspreading-Potenzial sind:
- Pflegeeinrichtungen und Spitäler
- Gemeinschaftseinrichtungen (z. B. Schulen, Heime, Asylzentren)
- Arbeitsplätze mit engem Kontakt (z. B. Produktionsbetriebe, Schlachthöfe)
- Freizeitveranstaltungen (z. B. Chorproben, Hochzeiten, Nachtclubs, Sportanlässe)
- Verkehrsmittel oder Unterkünfte mit beengten Platzverhältnissen
Je nach erhobenen Daten, verfügbaren personellen Ressourcen und dem vermuteten Ausmass eines Ausbruchs (z. B. Anzahl Teilnehmende, Art der Aktivität) entscheiden die kantonalen Gesundheitsbehörden über das weitere Vorgehen. Wird ein Ort oder Anlass als potenzielle Quelle eines Ausbruchs identifiziert, ist eine gezielte Untersuchung angezeigt. Orte und Veranstaltungen mit hohem Übertragungspotenzial und Beteiligung vulnerabler Personen sollten im Rahmen des Ausbruchsmanagements unabhängig von der Anzahl anwesender Personen vorrangig untersucht werden.