Rückkehr zur Normalität
Nach einer Pandemie sind organisatorische Anpassungen und ein umfassender Lernprozess nötig, um den gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht werden. Institutionen müssen sich auf künftige Pandemien vorbereiten. Die zuständigen Akteurinnen und Akteure sind in dieser Phase von der Pandemiebewältigung ermüdet. Entsprechend sorgfältig müssen die Aufgaben geplant und die nötigen Ressourcen dafür bereitgestellt werden.
Die politische und öffentliche Aufarbeitung der Pandemieerfahrung und der getroffenen Massnahmen ist essentiell, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und für künftige Pandemien zu lernen.
Die Aufhebung von Massnahmen und Strukturen bedeutet erneut grossen Aufwand für Bund, Kantone und alle Akteure, die in die Pandemiebewältigung involviert waren. Zusätzlich müssen alle Akteure ihre Grundlagen, Strukturen und Prozesse analysieren und anpassen, um künftig besser für eine Pandemie gewappnet zu sein.
Die Nachbereitung einer Pandemie umfasst folgende Bereiche:
Besondere/ausserordentliche Lage und Krisenorganisation aufheben
Falls eine besondere oder ausserordentliche Lage gemäss Artikel 6 und 7 Epidemiengesetz (EpG, SR 818.101) vorliegt, hebt der Bundesrat diese auf und entscheidet über die Rückkehr in die normale Lage. Der Bundesrat löst den Politisch-Strategischen Krisenstab (PSK) auf; das federführende Departement löst den Operativen Krisenstab (OPK) auf und stellt sicher, dass allfällige Folgearbeiten den zuständigen Stellen übergeben werden (Art. 4 Verordnung über die Krisenorganisation der Bundesverwaltung KOBV).
Überwachung sicherstellen
Die Überwachung des pandemischen Erregers muss an die interpandemische Phase angepasst und langfristig sichergestellt werden. Es ist zu prüfen, ob sich für die Überwachung weiterer Erreger neue Erkenntnisse ergeben.
Gesundheitsversorgung stärken
Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig ein robustes Gesundheitswesen ist. Dafür ist es zentral, ausreichend Gesundheitsfachpersonen aus- und weiterzubilden und sie im Beruf zu halten. Die Beratung, Therapie und Betreuung von chronisch am pandemischen Erreger erkrankten Personen muss sichergestellt und Impfungen gegen den pandemischen Erreger müssen in den Schweizerischen Impfplan integriert werden.
Strukturen und Ressourcen abbauen
In der Covid-19-Pandemie wurde bestehende Infrastrukturen ausgebaut und provisorische Einrichtungen wie Test- und Impfstellen aufgebaut. Der Rückbau umfasst nicht nur die physischen Strukturen, sondern auch die Weitergabe und Entsorgung von medizinischen Gütern.
Personelle und finanzielle Ressourcen, die während der Pandemie mobilisiert wurden, müssen strategisch und sorgfältig umdisponiert oder abgebaut werden, so dass weiterhin notwendige Aufgaben in der Regelstruktur erfüllt werden und wichtige Ressourcen für zukünftige Notfälle verfügbar sind.
Gesetze und Prozesse anpassen
Rechtliche Regelungen müssen überprüft, angepasst oder aufgehoben werden. Nach der-Covid-19-Pandemie mussten das neu geschaffene Covid-19-Gesetz und die Verordnungen dazu aufgehoben werden. Im Gegenzug wurde die Revision des Epidemiengesetzes an die Hand genommen, um die erkannten rechtlichen Lücken zu schliessen.
Die Prozesse müssen so angepasst werden, dass die Akteure unter Wahrung der Verhältnismässigkeit schneller und flexibler auf zukünftige Krisen reagieren können. Beispielsweise überarbeiten Bund und Kantone nach der Covid-19-Pandemie ihre Krisenorganisationen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) verstärkt die Digitalisierung der epidemiologischen Überwachung und die Nutzung von Social Media als Kommunikationskanal mit der Bevölkerung.
Pandemiepläne überarbeiten
Gesetzes- und Prozessanpassungen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen sowie ein verändertes Verständnis von Pandemien und ihrer Bewältigung erfordern umfassende Überarbeitungen des nationalen Pandemieplans, der kantonalen Pandemiepläne sowie der Pandemiepläne von Organisationen, Institutionen und Betrieben.
Wirtschaftliche Erholung unterstützen
Eine Pandemie kann tiefgreifende wirtschaftliche Auswirkungen nach sich ziehen. Die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen kann zur Erholung der Wirtschaft während und nach einer Pandemie beitragen.
Psychosoziale Unterstützung und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken
Isolation und Angst vor Ansteckung haben in der Covid-19-Pandemie in der Bevölkerung auch psychische Spuren hinterlassen. Die Rückkehr zur Normalität benötigt Massnahmen zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der psychischen Gesundheit. Dazu gehören der Ausbau von Unterstützungs- und Therapieangeboten im Bereich der psychischen Gesundheit sowie Unterstützungsangebote für besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen.
Kommunikation und Dialog aufrecht erhalten
Die grösste Herausforderungen nach einer Pandemie ist es, den Dialog über die Pandemiebewältigung und die individuellen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen langfristig aufrecht zu erhalten, getroffene Massnahmen zu evaluieren und aus Fehlern zu lernen. Darüber hinaus ist es wichtig, ein Bewusstsein für die Risiken zukünftiger Pandemien zu schaffen, um entsprechende Vorsorgemassnahmen zu ermöglichen.